Endertschlucht Mosel


Durchs Tal der Wilden Endert

Kaiseresch – Cochem/Mosel


HGE ist Mitglied im Eifelverein in der Ortsgruppe Düsseldorf; passiv allerdings, er geht halt lieber alleine.

Daher reizte es HGE, auch einmal den Eifelschluchtenweg entlang der „Wilden Endert“ zu wandern. Dieser soll vom Eifelverein 1910/11 geplant und ausgebaut worden sein. Ausgangspunkt der Wanderung sollte Kaiseresch sein.

HGE sammelt gerne die Ausgaben des Eifelführers, herausgegeben vom Eifelverein seit 1889. Die sucht und findet HGE manches Mal in Düsseldorf beim Bücherbummel auf der Königsallee, der jedes Jahr im Juni stattfindet oder in Monheim am Rhein auf dem Gänseliesel Markt.

Eifelführer, herausgegeben vom Eifelverein



Die älteste Ausgabe die HGE besitzt ist die 6. Auflage von 1896. Darin findet sich noch kein Hinweis auf einen Wanderweg durchs Enderttal sondern:

„Kochem-Ulmen. Die Landstrasse führt durch die innere Stadt Kochem und dann in grossen Windungen – herrlichste Blicke auf die Stadt, abwechselnd moselauf- und moselabwärts, ins Endertthal mit den Trümmern der Winneburg, des Stammschlosses des Fürsten Metternich – zur Höhe der Hochfläche (vielfach kahl; einzelne hübsche Fernblicke).“

In der 11. Ausgabe von 1905 findet sich zu dem Städtchen Kaiseresch schon mal dieser Hinweis: „Spaziergänge u. Wanderungen: Nach der sog. Kniebrech seitwärts der alten Kochemer Strasse, etwa 10 Km, mit herrlicher Aussicht in das Moseltal, nach Kochem, Kond, Klotten, Sehl, auf den Hunsrück; weiter durch das schöne Enderttal nach (+ 12,3) Kochem, an der Winneburg und Wachtkapelle vorbei.“

Weil HGE gern Bahnfährt, und es von Düsseldorf bis nach Kaiseresch eine Bahnverbindung über Andernach und Mayen gibt, stand er am Sonnabend um 7:05 am Benrather Bahnhof und wartete auf den Regionalexpress nach Koblenz. Doch der kam nicht. Die gesamte Strecke Düsseldorf – Köln war gesperrt worden; ein Mensch hatte sich bei Langenfeld vor einen Zug geworfen.

Also musste HGE das Auto nehmen, was er nicht gerne tut. So konnte er es sich leider bei Hin- und Rückfahrt im Zug nicht gemütlich machen und auch nicht aus dem Fenster auf Rhein, das Maifeld und Monreal im Elzbachtal schauen.

Allerdings war er daher statt um 10:28 schon um 9:15 in Kaiseresch auf dem Parkplatz im Ortskern an der Hambacher Straße.

Im Eifelführer von 1905 liest man über Kaiseresch: „Aufblühender Bürgermeister-Ort, geschützt in flacher Wiesentalmulde, von schönen Hochwaldungen umgeben. Gesunde Lage, milde reine Höhenluft; zu längerem Sommeraufenthalte geeignet. Aerzte und Apotheke im Orte. Mit regem Verkehr, Mittelpunkt der Dachschiefer-Industrie (ca. 600 Arbeiter). Im Mittelalter stark befestigte Stadt mit Jagdschloss der fränkischen Könige.“

HGE begann seine Wanderung durchs Enderttal in Kaiseresch, weil es nach hier einen Bus zurückgibt. Der Bus Nr. 713 der RMV Rhein-Mosel Verkehrsgesellschaft von Cochem nach Kaiseresch benötigt bei seiner Fahrt über die Dörfer ca. 35 Minuten.

Man wendet sich nach rechts die Hangstraße hinauf und am Kreisel biegt man in die Post- die spätere Bahnhofstrasse. Bei einer Bahnhofstrasse hat HGE immer ein gutes Wandergefühl, denn Bahnhöfe haben einen trefflichen Sinn, man kann, wenn man keine Lust mehr hat oder es stark regnet, einfach irgendwann abfahren. Sich in den Sitz drücken, entspannen und aus dem Fenster schauen.

Nun geht‘s die Bahnhofstraße bergan bis zur Waldkapelle. „Auf der Wacht“ heißt das hier oben, ein Hinweis auf einen römischen Wachtturm, denn weiter oben im Wald führte die römische Hauptstraße von Andernach über Kaiseresch nach Trier. Am Hang gegenüber in 1400 Meter Entfernung steht heute ein rekonstruierter römischer Wachtturm auf gefundenem römischem Fundament. Die Wachttürme dienten der Überwachung der römischen Hauptstraße und zur Nachrichtenübermittlung mittels Hornsignale, Flaggen und bei Dunkelheit mittels Feuerfackeln.

Bis zur Waldkapelle hat HGE keine Wegmarkierungen entdeckt. Man muss in die Wanderkarte oder auf sein Navi im Smartphone schauen. Leider kommt HGE auch an den das Stadtbild verunstaltenden Verbrauchermärkten vorbei. Besonders schlimm sieht es aus, wenn diese auch noch Leerstehen.

An der Waldkapelle



Zu der römischen Geschichte heißt es im Eifelführer von 1905: „Kaiseresch ist alt. An der Römerstraße Andernach – Trier gelegen, die noch wohl erhalten im Distrikte Langheck nachzuweisen ist, bildet es eine römische Niederlassung. ….. in der Nähe des Bahnhofs die Römerstrasse, nördlich davon stundenlang wohl erhaltene Wälle der im 3. Jahrhundert errichteten, bei Namedy am Rhein beginnenden u. Trier endenden Landwehr.“

Die Anlagen, Wachttürme und ein Limes (Grenzwall aus Wall, Graben und Palisade) sollen im dritten Jahrhundert nach Christus entstanden sein. Nach 250 Jahren überwiegend friedlicher Entwicklung des römischen Rheinlandes, begannen unruhige Zeiten. Germanen zerstörten 259 n.Chr. den obergermanische-rätischen Limes auf der rechten Rheinseite zwischen Bad Hönningen und Regensburg. Germanische Gefolgschaften überschritten den Rhein um zu plündern. Von Norden der römischen Provinz Niedergermanien drohten die Gefahren. Zum Schutze der Kaiserhauptstadt Trier wurde wohl zwischen Rhein und Trier eine weitere Verteidigungs- und Signallinie aufgebaut.

Hinter dem Waldhotel „Kurfürst“ biegt der ab hier sehr gut markierte Wanderweg, Markierung: „Wilde Endert Zuweg“ nach links in das Waldgebiet Langheck. Auch befindet man sich jetzt auf einem Zweig des Sankt Jakobs-Pilgerweges, dem Eifel-Camino; das Zentrum der gelben stilisierten Muschel zeigt die Richtung an, die zu gehen ist. Hier in der Vulkaneifel ist die Markierung sehr schön in eine meterhohe Stele aus mayener Basalt eingearbeitet.

Im Waldgebiet Langheck finden sich auffällige Erdwälle. Möglicherweise handelt es sich um die mehrere hundert Meter lang hier verlaufende Römerstraße. Der Straßenaufbau ist charakteristisch: leicht gewölbter Straßenaufbau, rechts und links Gräben für die Aufnahme von ablaufendem Regenwasser. Entlang der römischen Straßentrasse sind in der Wanderkarte „Kaiseresch“ die römischen Befestigungsanlagen als „Schanzen“ bezeichnet. Der Eifelführer von 1905 bezeichnet die Anlagen als „Landwehr“ aus dem 3. Jhdt. n.Chr. Die römische Straße bog dann nach rechts, dem heutigen Verlauf der Bundesautobahn A 44 folgend, ab. Denn bei Eppenberg, in ca. fünf Kilometer Entfernung, befindet sich laut Wanderkarte Reste einer römischen Befestigungsanlage auf dem markanten Hügel „Groberlen“.

Nach unterschreiten der Bundesautobahn in einem Tunnel führt der Wanderweg durch Breitenbruch in das Martental. Am Ende des begleitenden kleinen Sesterbaches steigt der Wanderer aus 513 m Bergeshöhe bis zur Klosteranlage Martental bis auf Höhe 359 m ab.

Talab am Sesterbach



Hier ist eine großzügige, moderne Anlage für die Wallfahrer geschaffen worden.

Wallfahrtsort Martental



„REGINA MATYRUM IN VALLE MARTYRUM“ O P N kann man auf dem Halbprofil lesen. Und links daneben eine Jesusfigur aus weißem Marmor.

„ICH HABE KEINE HÄNDE ALS DIE EUREN“ 1562. Und tatsächlich, der Bildhauer hat die beiden Hände der Figur fortgelassen.

Jesus ohne Hände und Maria Martyrum



Auf einem Hinweisschild über die Geschichte des Ortes kann man lesen:

„Anfang des 4. Jahrhunderts Hinrichtung römischer Soldaten und Christen ihres Glaubens wegen – Legende“.

Das müsste vor dem Jahr 313 n.Chr. gewesen sein, da in diesem Jahr die „Konstantinische Wende“ erfolgte mit dem Ergebnis, dass das Christentum neben den anderen religiösen Kulten von Staatswegen akzeptiert wurde.

Leider weiß der Eifelführer von 1905 über die Klosteranlagen Martental nichts weiter zu sagen als: „Kaiseresch: Spaziergänge u. Wanderungen – ….Nach dem (+5,7) Martentale mit Wasserfall, zurück über die Martentaler Klosterruine und die Schiefergruben von Leinkaul nach (+7,1) Kaiseresch.“

Die 35. Auflage aus 1973/74 vermerkt: „….Wallfahrtskirche (früher Klosterruine) Maria Martental. Alte röm. u. keltische Kultstätte….“.

600 Meter weiter talab mündet der Sesterbach in den Endertbach. Der Wanderer überschreitet den Endertbach auf einer Brücke. Darunter ein Wasserfall. Das Wasser der Endert stürzt sieben Meter hinab. Auf der Wanderkarte: ND (Naturdenkmal). Bei der örtlichen Bevölkerung hat der Wasserfall die Bezeichnung „Die Rausch“. Wenn zwischen Ulmen und Kaiseresch ein Sturzregen heruntergegangen war, dann wälzte sich eine Wasserflut das Endertbachtal hinunter, vermutlich mit mächtigem Getöse.

Wasserfall genannt „Die Rausch“



HGE wendet sich nach links in das Martental Richtung „Wilde Endert“ und Cochem; der Eifelverein bezeichnet den Weg als „Karolingerweg“.

Nach tausend Meter auf breitem Weg taucht links im Gebüsch die „Napoleonbrücke“ auf. Zwanzig Jahre lag das Rheinland von 1784 bis 1814 unter französischer Verwaltung. Vieles wurde damals modernisiert, mittelalterliche Strukturen revolutionär umgewälzt. Die Kleinstaaterei wurde beseitigt, und das Straßennetz auf neuen Stand gebracht. Handel und Wandel benötigten ein gut ausgebautes Straßennetz. Die französische „Grande Armée“ war auf geeignete Heeresstraßen angewiesen.

Im Eifelführer von 1905 liest man hierzu: „….hinter Büchel schneidet der Weg die Trier – Koblenzer Strasse von (+7,7) Lutzerath nach (+9,3) Kaiseresch…“.

Hier im Martental überquert die „alte Poststraße“ Koblenz - Trier den Endertbach. Im Andenken an die für viele Rheinländer gute Zeit unter französischer Herrschaft, hat die Brücke den Namen „Napoleonbrücke“ bekommen.

Napoleonbrücke



Zweihundert Meter muss man nun zwischen Straßenasphalt und Leitplanke weitergehen, um wieder an den Endertbach zu gelangen. Für Auto- und Motorradfahrer ist die kurvenreiche L100 Landstraße wohl eine beliebte „Rennstrecke“ in den Moselbergen.



Hier beginnt sie nun, die „Wilde Endert“ und endet nach 10 Kilometern an der Weißmühle. Das ist überwiegend ein Bergpfad, schmal am Hang entlang, hoch und runter über Felsklippen, dann wieder in fünfzehn Meter Höhe über dem Bach durch den Wald. Da sollte der Wanderer trittsicher und gut zu Fuß sein. An so mancher Pfadstelle hat das Regenwasser den Weg fortgespült, und man muss sich eng an den Berghang halten, um nicht in den Bach abzurutschen. Bei Regenwetter ist dieser Weg eher nicht zu empfehlen.

Was sagen nun die Eifelführer über die „Wilde Endert“?

Der Eifelführer von 1896 weiß: „…..durch das schöne Enderttal nach Kochem mit Schloss und Winneburg…“.

Und der Eifelführer 1905 ergänzt: „die Endert (29 qKm) mündet in Kochem in die Mosel;“

1914 in der 20. Auflage des Eifelführers steht: „Kochem - Ulmen. Sehr schöner Weg durch das Enderttal (1911 zum Teil neu vom Eifelverein gebaut). Fast nur Wald und Wiese, schöne Felspartien, enge Schluchten. In 2 Std. der Göbelsmühle, von Kochem, einf. Verpflegung. Nach 3 1/2 Std. dreht der Weg nach I. in das Martental….“.

1932 steht in der 28. Auflage geschrieben:“ …. Nach Cochem auf EV.-Weg Rheinbach-Cochem, ca. 20 Km, über (3) Vorpochten, Müllenbach und von da durch das Enderttal an 8 Mühlen vorbei. Das Enderttal heißt oberhalb Martental, der untere Teil die Wilde Endert.“

Von hier bis zur Weißmühle in Cochem werden namentlich fünf Mühlenbereiche im „Ulmener Wandertipp“ genannt. Der erste lautet auf einem Holzschild an einer Fichte: „Göbels-Mühle“ sowie die Markierungen „Wilde Endert“, Cochem: 10,8 Km und offener Winkel vom Eifelverein „Karolingerweg“. Im Eifelführer von 1914 ist die Göbelsmühle bereits als Einkehrort aufgeführt.

Bis dahin schlängelt sich der Wanderpfad in dem tief eingeschnitten Enderttal entlang des Bachbettes. Der Talgrund ist nur wenige Meter breit. Von der Napoleonbrücke bis zur Göbelsmühle fließt der Bach aus 325 Meter Höhe bis auf 270 Meter talab. Während die Moselberge des Rheinischen Schiefergebirges auf beiden Seiten des Baches fast 400 Meter hoch sind.

Wie es wohl im Winter hier ist, wenn die Sonne kein Licht und keine Wärme sendet oder wenn im Einzugsgebiet der Endert ein heftiger Sturzregen heruntergekommen war und die Wassermassen sich einen Weg durchs Tal bahnten und die Gebäude gefährdeten?

Felsenformation im Tal der Wilden Endert



Wanderpfad am Endertbach



Aufstieg bei der Browelsmühle



Oberhalb der Browelsmühle, da gibt es eine Sitzbank, ansonsten unterwegs kaum eine weitere. Auf der kann man rasten, ruhen und hinunter in das schmale Tal schauen. HGE hat sich dort hingesetzt und sein mitgebrachtes Butterbrot gegessen, Mineralwasser dazu getrunken.

Wenn man so in einem einsam gelegen Tal verweilt und zwanzig Meter tiefer die uralten und von Grün eingewachsenen Mühlengebäude sieht, beginnt sich die Phantasie zu regen, und man erinnert sich vielleicht auch an den Dichter der Deutschen Romantik, Joseph von Eichendorff, und dessen Gedicht, das in Teilen lautet:


In einem kühlen Grunde

Da geht ein Mühlenrad,

mein‘ Liebste ist verschwunden,

die dort gewohnet hat.

………

Hör‘ ich das Mühlrad gehen:

Ich weiß nicht was ich will –

Ich möchte‘ am liebsten sterben,

da wär’s auf einmal still!



Bis weit nach dem 2. Weltkrieg waren die Winter sehr kalt. Die Flüsse und Bäche froren zu. Auch der Endertbach fror zu, die Sonne ließ sich in der dunklen Jahreszeit im engen Tal kaum blicken.

Und wenn dann um die Osterzeit die Sonne den Talgrund erreichte und wieder erwärmte, das Eis aufbrach und der Müller mit seiner Familie vor die Tür trat, und wieder zu schaffen begann, dann:

„Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen; mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine. Da trat der Vater aus dem Hause; er hatte schon seit Tagesanbruch in der Mühle rumort und die Schlafmütze schlief auf dem Kopfe, der sagte zu mir: „Du Taugenichts……..Der Frühling ist vor der Tür, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber dein Brot. Nun, sagte ich, wenn ich ein Taugenichts bin, so ists gut, so will ich in die Welt gehen und mein Glück machen“.

Eine freundliche und lustige Novelle von Eichendorff, die HGE sehr mag.

Wenn man liest, dass es Jahrhunderte lang über dreißig Mühlen entlang der Endert gegeben hat, dann kann man sich vorstellen, wie armselig es in den vielen winzigen Mühlenhäusern zugegangen ist. Viele Müller und wenig Getreide, das gemahlen werden konnte. Geld oder Mehl als Entlohnung gab es nur, wenn sich der Mühlstein auch drehte.

Bach, Steg und Weg



Kapelle bei der Maxmehrmühle



Bald ist die Göbelsmühle erreicht, die in etwa auf halben Wege der „Wilden Endert“ liegt. Ein von Wanderern geschätzter Einkehrort.

In den Eifelführern von 1914, 1932 und auch noch von 1973/74 steht: „In der Göbelsmühle, einfache Verpflegung“.

An der Göbelsmühle wird Halt gemacht und eingekehrt. Rechts und links der Wanderstrecke sind Tische und Bänke aufgestellt. Im Internet wird die Gaststätte gelobt.

Ein verrottetes Mühlenrad aus Eisen und ein grünlich verblichener Fensterladen laden dazu ein, ein Foto zu machen.



Von hier bis nach Cochem sind es noch sieben Kilometer.

Im Tal der Wilden Endert





Nach der ehemaligen Schneidermühle wird aus dem Pfad wieder ein breiter Waldweg, der dann nach 3 Kilometer an der Weißmühle endet. Die Weißmühle ist heute ein schön und ruhig gelegenes Hotel. Die Terrasse ist gut besucht. Auf der Speisekarte im Aushang kann man für den September lesen: Maishähnchenbrust mit Lauchgemüse und gebratener Polenta. Lecker, aber HGE kehrt erst nach beendeter Wanderung ein, und das ist für Cochem geplant. Bis nach Cochem sind es noch 3 Kilometer.

Wer Lust hat und noch kann, der biegt nach dem Campingplatz scharf nach rechts auf den Wanderweg hoch zur Ruine Winneburg. Das sind dann 2,5 Kilometer weiter und ein Aufstieg von 150 Metern. Der Ausblick lohnt die Mühe!

Die Eifelführer von 1905, 1911 und 1914 führen aus: „3. Durch das Enderttal auf die Ruine Winneburg, Stammschloß der Fürsten Metternich, von da ab nach …..“.

Ausführlicher ist der Eifelführer von 1932: „5. Durch das Enderttal zur Ruine Winneburg, Stammsitz der 1636 ausgestorbenen Wunnenburg-Beilstein, 1689 von den Franzosen gesprengt, ……“.

Und der „Griebens“ Reiseführer „Mosel und Vulkanische Eifel“ von 1922 ergänzt zur Ruine Winneburg „Sie ist sehr verfallen. Gegenwärtiger Besitzer ist der Fürst Paul Metternich zu Königswart in Böhmen“.



Wenn man sich hier oben höher recken könnte, dann würde man die Ruine Burg Metternich in Beilstein an der Mosel sehen können.

HGE ist extra einmal von Düsseldorf zu Fuß zum Schloss Johannisberg der Fürsten von Metternich-Winneburg im Rheingau gegangen, um dort eine Flasche Riesling zu kaufen und vor Ort mit Blick auf den Rheingau zu verkosten: „Schloss Johannisberg, Qualitätswein – trocken 1989er Rheingau – Riesling – Fürst von Metternich-Winneburg’sche Domäne“ steht auf dem Weinetikett. HGE hat eine Flasche mit nach Hause getragen.

Nach der „Napoleon Zeit“ und dem Wiener Kongress bekam der damalige Reichskanzler Metternich das ehemalige Kloster geschenkt. Viele Berühmte schwärmten vom Schloss Johannisberg; von der herrlichen sonnigen Lage, vom Wein und von der erlebten Gastfreundschaft.



Über den Pfad hinunter am „Winzerhaus“ vorbei geht’s nach Cochem an die Moselpromenade. Um nicht an der lauten und vielbefahrenen Autostraße nach Cochem hinein gehen zu müssen, gibt es am rechten Berghang einen zunächst aufsteigenden Wanderweg. Ein wenig mühsam, nochmals dieser Aufstieg.

Nach den ruhigen Stunden in Wald und Feld und am Endertbach entlang, freut sich HGE auf das sommerliche, quirlige Touristengewühle an der Moselpromenade in Cochem. Alle scheinen froh gestimmt, die Sonne strahlt, die Terrassen an der Moselpromenade sind gut besucht. Die Bedienungen wuseln umher, der Pommes-Imbiss unter der Conder Brücke macht ein „Bombengeschäft“. Holländische Motorradfahrer haben ihre chromblitzenden Motorräder am Busbahnhof aufgestellt, die von Vielen bewundert werden. Der weißhaarige Wanderer, den HGE an der Endert überholt hatte, wechselt ohne Scheu am Busbahnhof sein Wanderhemd. Drüben in Cond, am anderen Ufer, haben sechs Flußkreuzfahrtschiffe festgemacht. Deren Passagieren aus aller Herren Länder strömen auch durch den Ort. Voll ist es! Aber das gehört zu Cochem im Sommer und am Wochenende einfach dazu.



Der Eifelführer von 1896 weiß: „…… altertümliche Stadt mit einem ehemaligen Kapuzinerkloster….., früher häufig Residenz der Trierer Kurfürsten…., schöne Kirche, manche alte Giebelhäuser; die alte Reichsburg wurde vom Geheimen Kommerzialrat Louis Ravené zu Berlin gekauft und durch Raschdorf und Ende prachtvoll im alten Stil wieder aufgebaut. (Eintritt für 1-3 Personen 1M; Erfrischungen beim Kastellan.)“

Die Eifelführer von 1905, 1911 und 1914 sagen auch nichts anderes; erst der Eifelführer von 1932 ergänzt: „Cochem (90,1 m; 3800 E.), am Eingang des Endertbachtales, die Perle der Mosel, ein fröhlicher Weinort, beliebter Standort der Wanderer, r. Cond durch Moselbrücke mit Cochem verbunden (mit berühmter Weinstube von Brixius (Brixiade von Dichter von Lauff)). Kraftpost nach Kaiseresch, Lutzerath, Eller und Koblenz. Dampferanlegestelle. Motorbootverkehr nach Beilstein und Moselkern…. In Cochem beiderseits Anschluß an Moselhöhenweg.“

In der unmöglich kleinen Toilettenanlage unter der Conder Brücke wechselt HGE erst einmal sein T-Shirt, um dann auf der Terrasse des Hotels Café Germania, zum Glück war noch ein kleiner Tisch frei, Käsekuchen mit Sahne, Kaffee und Mineralwasser zu genießen und neue Kräfte zu sammeln. Der Blick geht auf die Mosel mit dem regen Schiffsverkehr und auf die Conder Weinberge. Das hat doch etwas!

Dieses sommerliche Moselbild und die Fotoaufnahmen, die nimmt HGE gern mit in den kommenden Winter, und freut sich schon auf das kommende Jahr, wenn er die Moselregion wieder besuchen kann. Denn ab siebzig Jahren Lebensalter gilt: „Carpe diem“, nutze die Zeit, die du noch hast!

Um 15:08 fährt der Bus 713 der RMV nach Kaiseresch ab.

Da HGE diesmal ja leider das Auto von Düsseldorf aus nehmen musste, konnte er nicht, was er viel lieber tut, mit der Bahn vom historisch wertvollen Bahnhof von Cochem mit dem Regionalexpress nach Koblenz fahren, und weiter mit dem RE5 am Rhein entlang nach Düsseldorf-Benrath. Dann kommt HGE immer zufrieden zu Hause wieder an.

Düsseldorf, September 2018


Die Wegeweiser



Hinweise:

Kaiseresch – Cochem ohne Abzweig Winneburg; ca. 19 Km – ca. 4:45 Std.

Aufstieg 90 m – Abstieg 460 m Höchster Punkt 513 m - Niedrigster Punkt: 84 m

Aufstieg zur Ruine Winneburg (306 m), Auf- und Abstieg 150 m; 2,5 Km zusätzlich, ca. 1 Std. plus

Die Eifelführer:

Eifel–Führer, Nach den Mitteilungen der Ortsgruppen des Eifelvereins zusammengestellt, 6. Auflage, Trier, Verlag von Heinr. Stephanus 1896

Eifel–Führer, Herausgegeben vom Eifel-Verein, 11. neu bearbeitete Auflage, Trier, Verlag von Heinr. Stephanus 1905

Eifelführer, Herausgegeben vom Eifel-Verein, 17. Auflage neu bearbeitet von Hans Hoitz, Trier 1911, Mosella-Verlag G.m.b.H

Eifelführer, Herausgegeben vom Eifel-Verein, 20. Auflage bearbeitet von Hans Hoitz, Trier, Kunst- und Verlagsanstalt Schaar & Dathe Komm.-Ges.a.Akt. 1914

Eifelführer, Herausgegeben vom Eifel-Verein 28. Auflage Trier Schaar & Dathe, Ernst Klein A.-G. 1932

Eifelführer, Herausgegeben vom Eifelverein, 35. Auflage 1973/1974 Eifelverein Düren

Griebens Reiseführer, Band 28, Mosel und Vulkanische Eifel 1922, 11. Auflage Verlag von Griebens Reiseführern (Albert Goldschmidt) Berlin 1922

Göbelsmühle: www. goebels-mühle.de

dort zu lesen „Nun einige Geschichten aus dem Enderttal mit ihren Mühlen“

Karten:

Kaiseresch - Wandern in der Natur- und Ferienregion, Verbandsgemeinde Kaiseresch, zugleich Wanderkarte Nr. 22 des Eifelvereins 1: 25.000

Wandergebiet Mosel Ferienland Cochem und Treis-Karden zugleich Wanderkarte Nr. 23 des Eifelvereins e.V. und Wanderkarte des Hunsrückvereins e.V., 1:25.000 LVermGeo Rheinland-Pfalz3. Auflage 2009